Am 5. Mai 2010 fand im Micheldorfer Freizeitzeitzentrum eine Impulsveranstaltung der regionalen Global Marshall Plan Initiative Steyr/Kirchdorf statt. Mehr als 300 TeilnehmerInnen hörten die Vorträge von Klemens Riegler (Geschäftsführer Ökosoziales Forum) und Christian Felber (freier Schriftsteller, Attac Mitbegründer), der den Hauptvortrag „Gerechtes Geld – Gerechte Welt“ hielt. Riegler berichtete über die Entwicklungen in der Global Marshall Plan Initiative in Österreich und auf Europaebene. Felber ging in seinem Vortrag auf die neoliberale Politik ein, welche in den letzten Jahrzehnten massive Veränderungen in der Gesellschaft zur Folge hatte.
Idee eines regionalen Ethikfonds
Christian Felber sieht die Zukunft in einer solidarischen Ökonomie. Regionale Kooperation, vermehrte direkte Demokratie und nachhaltiges Denken und Handeln werden in Zukunft notwendig sein, um auf die wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen entsprechend reagieren zu können. Carlo Neuhuber (Regionaldiakon) und Alexander Hader (GMPI und SPES Zukunftsakademie) präsentierten die Idee eines regionalen Ethikfonds für den Raum Kirchdorf/Steyr. Sinn dieser Idee ist, in der Region vorhandenes Geld in einen Regionalfonds zu sammeln und in sinnvolle, nachhaltige Projekte zu investieren. Dieses Geld könnte von Gemeinden, Firmen und auch Privatpersonen als günstiger Kredit in Anspruch genommen werden.
Zusammenarbeit mit den Regionalbanken
Sinngemäß hat dies bereits auch Peter Spiegel (Genesis Institut) unter dem Begriff Social business zusammengefasst. Es geht darum, einen Mehrwert für die Gemeinschaft zu schaffen. Das Geld aus der Region soll in der Region bleiben und damit auch Arbeitsplätze sichern bzw. neu schaffen. Für diesen Regionalfond sollten auch die Regionalbanken gewonnen werden. Ein derartiger Fond wäre ein Novum im Finanzierungssektor.
Fotos: Schilcher
Muhammed Yunus: Begründer der Mikrofinanzierungen
Auf weltweiter Ebene gibt es die Initiative von Muhammed Yunus, der als Begründer der Mikrofinanzierungen vielen armen Menschen eine völlig neue Lebensperspektive eröffnet hat. Karl Sieghartsleitner (Nachhaltigkeitsschmiede in Steinbach/Steyr) präsentierte internationale Beispiele einer erfolgreichen Regionalentwicklung. Helmut Bachmayer aus Bozen zeigte in seinem Vortrag über Ethical Banking im non-profit Bereich die seit Jahren finanzierten nachhaltigen Projekte in Südtirol und anderen Städten in Italien. LR Rudi Anschober und Landtagsabgeordneter Dörfler begrüßten in ihren Statements diese Regionalinitiative.
Der Vorrang der geistig-spirituellen Dimension
Das Netzwerk von Christen unterstützt die Global Marshall Plan Initiative und betont den Vorrang der geistig-spirituellen Dimension vor allen anderen gesellschaftlichen Dimensionen. Geschieht das nicht, rücken die Mittel zu Selbstzwecken auf. Die Bibel nennt das die Welt der Götzen. Die weltweite Krise auf den internationalen Finanzmärkten ist ein gutes Beispiel für die Wahrheit dieses Prinzips. Geld und Kapital fungieren nicht mehr als Mittel zum Zweck, sondern sind zum Selbstzweck geworden. Die Finanzmärkte sind – trotz aller positiven Dienste, die sie auch leisten – im Grunde ein gier- und machtdynamisches System (P. Büchele SJ). Denn Gier heißt: Genug ist nie genug. Ihr könnt nicht Gott und dem Gegengott – dem Mammon – dienen.
Menschlichkeit kommt nicht aus dem Kapital
Die Menschlichkeit kommt nicht aus dem Geld und dem Kapital – sagt uns Jesus. „Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ In der Sozialenzyklika „Caritas in Veritate“ schreibt Papst Benedikt XVI. ein eigenes Kapitel über die Zusammenarbeit der Menschheitsfamilie: „Das Thema der Entwicklung der Völker fällt mit dem der Einbeziehung aller Personen und Völker zusammen, die auf der Basis der Grundwerte der Gerechtigkeit und des Friedens in Solidarität gebildet wird“.
Georg Brandstetter
www.netzwerkvonchristen.at